„Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“

von Dita Zipfel
193 Seiten
Hanser Literaturverlage
9,95 €
ISBN 978-3-423-62743-6

Dieses Buch wurde gelesen und rezensiert von Julia Bardarsky. Julia Bardarsky gehört zum Team der Buchhandlung Kapitel 8.

 

„Man sollte nie darauf warten, dass jemand anders den Moment verändert.“

 

Dita Zipfel, eine wahre Jane of all Trades, schrieb ihren Jugendroman „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ in 2019 und wurde dafür mit Ehrungen, wie dem Jugendliteraturpreis, regelrecht überschüttet. Weltenbummlerin Rán Flygenring schenkt der Geschichte mit ihren Illustrationen visuelle Details, die das Lesevergnügen noch verstärken.

 

Lucie ist ein Mädchen mit einem Plan … der an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Um ihren Plan in die Tat umzusetzen, braucht sie Geld und deswegen nimmt sie einen Job als Ghostwriterin beim bärtigen, grummeligen, unmenschlich gelenkigen und irgendwie immer stinkigen Herrn Klinge an. Während der ihr die Wahrheit über Drachenherzen {Tomaten}, Feenzähne {Mais} und Einhornknochen {Rhabarber} diktiert, vergisst sie fast, wie sehr sie sich nach der Vergangenheit sehnt und ihr altes Zuhause vermisst. Ein Zuhause, in dem so viel gefühlt wurde, dass es einem wie Fliegen vorkam, in dem es statt dem Michi noch Mamas Freundin Bernie gab und in dem Lucies Bruder noch Janni genannt werden durfte und nicht so sauer auf sie und die Welt war. Aber irgendwie wird die Zeit gerade auch ganz cool; denn ohne Klinge hätte Lucie keine Rezepte für Zaubertränke zum Verlieben und Crémes, die Herpes erzeugen, im Kopf und wahrscheinlich würde sie auch viel weniger Abenteuer erleben und die Welt mit viel weniger Wahnsinn betrachten … und wie langweilig wäre das denn?

 

„Mitgehen, immer mitgehen, wenn das Hirn eines Verrückten seine wilden Schlaufen zieht.“

 

Dita Zipfel schafft es auf Seite eins{!}, die Lesenden sich in ihre Geschichte verlieben zu lassen. Ob als Jugendliche oder Erwachsene, dieses Buch enthält Zauber und Wahnsinn genug, um jeden Willigen in seinen Bann zu ziehen. Mit Lucie begleiten wir einen Hauptcharakter, der so neugierig und viel fühlend, wie aufmerksam, lebenslustig und clever ist. Ihren Gedanken und Erlebnissen zu folgen, ist wie ein Jahrmarktsbesuch mit unendlich vielen Fahrtickets. Lucie lässt sich auf die Kreativität und das verrückte Sein eines alten Mannes ein und lernt, die Welt ein bisschen aus seiner Sicht zu sehen, ohne ihre eigene zu verlieren – sie entwickelt sich, lernt Grenzen zu ziehen, Vorurteile zu begraben und dabei sich selbst weiter zu entdecken. Ganz ohne Trara hat Dita Zipfel Spaß, Familien{un}glück, Diversität, ein bisschen Magie, wilde Pläne und bunte Freundschaften in einem Rezept zusammengeschrieben, dass dieses wahnsinnige Buch ergibt. Was für ein Glück, es lesen zu dürfen!

 

„‘Drachenliebe ist ein Dach im Regen, ein Fallschirm über dem Abgrund. Drachenliebe rettet dich. Drachenliebe ist der Puderzucker auf der Kirsche auf der Sahne auf dem Eis, sie setzt immer noch eins drauf. Drachenliebe ist ein warmes, weiches Bett und das Lagerfeuer am Strand unter dem Sternenhimmel. Ach was! Drachenliebe ist jeder einzelne Stern und das gesamte Himmelszelt! Un-end-lich und un-vor-stell-bar!‘ Er sieht glücklich aus. ‚Und das ist alles noch immer da. Da drin!‘ Er zeigt auf die Tomate.‘“

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