Raue Havel

von Tim Pieper
Kriminalroman
Broschur
Köln: Emons Verlag 2022 Originalausgabe
ISBN 978-3-7408-1365-9 304 Seiten
Auch als E-Book erhältlich

Ein Spionagefall aus der Nachkriegszeit

In einem alten Bootshaus an der Havel werden drei jahrzehntealte Skelette gefunden. Kurz darauf wird eine Journalistin ermordet. Sie recherchierte in einem Spionagefall aus dem Jahr 1949 um eine junge Frau, deren Identität bis heute unbekannt ist. Hauptkommissar Toni Sanftleben findet heraus, dass die Todesfälle von damals und heute zusammenhängen. Als ihm klar wird, dass er selbst familiär in den Fall verstrickt ist, ist es schon fast zu spät: Denn er bekommt es mit einem Gegenspieler zu tun, für den ein Menschenleben nicht viel zählt . . .

Inspiriert von einer wahren Begebenheit

Der sechste Fall für Toni Sanftleben hat es in sich und führt den Ermittler diesmal weit in die Vergangenheit zurück: einerseits in die deutsche Nachkriegszeit im Jahr 1949, als Brandenburg noch sowjetische Besatzungszone war – und andererseits unmittelbar in seine eigene Familiengeschichte. Im Fokus der hochspannenden Handlung steht die Geschichte von Tonis Mutter Vera, die damals ganz auf sich allein gestellt war und in einen Potsdamer Spionagefall verwickelt wird, der bis heute ihr Leben belastet. Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist das Militärstädtchen Nr. 7, das ehemalige Geheimdienstgelände der sowjetischen Militärspionageabwehr. Das im Volksmund als »Verbotene Stadt« bekannte, vollkommen abgeschottete Territorium war einer der Hotspots des Kalten Krieges, um den sich bis heute unzählige Gerüchte ranken. Gleichzeitig ist dieses jahrzehntelange sowjetische Sperrgebiet eng verbunden mit zahllosen menschlichen Schicksalen, deren Dunkelziffer hoch und über die bis heute nur wenig bekannt ist. Einen dieser viele Jahre totgeschwiegenen Vorfälle macht Autor Tim Pieper zur Grundlage seines packenden Romans: Kritisch und fundiert, jedoch auch mit erzählerischer Leichtigkeit und viel Gespür für die narrativen Notwendigkeiten seines Plots springt er meisterhaft zwischen den Erzählebenen hin und her. Dabei offenbart er nur langsam, Stück für Stück, die Zusammenhänge eines vielschichtigen großen Ganzen, sodass die einzelnen Puzzleteile für die Leserinnen und Leser erst am Ende vollständig an ihren Platz fallen. Pieper arbeitet gekonnt mit einer psychologisch fundierten Erzählweise, die dem Thema angemessen ist. Geschickt setzt er Twists und Cliffhanger ein und schraubt durch kurze Kapitel das Lesetempo noch ein wenig mehr in die Höhe. Dadurch entwickelt der Krimi einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Piepers hervorragende Recherche, das passend gezeichnete Zeitkolorit und ein perfekt gebauter Spannungsbogen sind schlussendlich das i-Tüpfelchen auf einem rundum gelungenen Roman. Ein absoluter Volltreffer – weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus!

Tim Pieper, geboren 1970 in Stade, studierte nach einer Weltreise Neuere und Ältere deutsche Literatur und Recht. Mit seiner Familie lebt er im Havelland, nur wenige Kilometer vor den Toren Potsdams, und liebt es, die idyllische Landschaft Brandenburgs mit dem Fahrrad zu erkunden.

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